Die erste Lektion, die uns unser Karmabike erteilt hat:
Geschwindigkeit zaehlt nicht und auch nicht die Meilen, die hinter uns liegen. Das wurde uns verdeutlicht auf einfache Weise - der Tachometer hat seinen Geist aufgegeben, indem er sich innerlich zerschredert hat. Erst zitterte die Tachonadel around 55mph, dann schlug sie wild um sich, drehte sich dann wie der Zeiger einer Highspeed Uhr im Kreis und fiel dann einfach ab.
Selbst die Zahlen, die den Meilenstand anzeigen, sind vom Staub bedeckt und unleserlich.
Wir wissen also nicht wie schnell wir sind, und auch nicht, wie weit wir schon gefahren sind. Wir wissen nur, wo wir sind und wie es ist.
Schoener kann man's uns nicht beibringen.
Weitere Lektion: Die Computer in mexikanischen Internetcafes koennen Fotokarten nicht lesen, weshalb ihr auf Helen M.'s zauberhafte Fotos verzichten muesst. Vorlaeufig.
Daher in Worten:
Herrliche Straende in Malibu, beschauliches Tuckern durch Urlaubsorte, wie man sie aus US-Filmen kennt. Dann abbiegen, durch einen kurzen Tunnel und Los Angeles saugt uns ein, mit der ganzen Kraft der Grossstadt. Zu unserem Straesslein draengen sich rechts und links weitere Fahrspuren voller Autos und Trucks und ploetzlich sind wir mitten auf einem siebenspurigen Highway (in jeder Richtung sieben!) und werden durch die Riesenstadt geschleust. Bis wir uns bei Long Beach ausspucken lassen.
Bis jetzt haben wir jeden Tag Deutsche getroffen. In St. Barbara, der reichsten Stadt der USA haben Veronika Brumm und ihre Tochter ein Restaurant eroeffnet. Brummi's. Mit Sauerkraut, Schnitzel und Wuerzfleisch. Vroni traegt Lederhose ueber Ringelstruempfen, es laeuft deutsche Musik von Maffay bis Musikantenstadel und an der Wand haengt neben schwarzweiss-Fotos von Koeln, Hamburg oder Berlin und Hiddensee die Auszeichnung zum Restaurant of the year 2009 of St. Barbara.
Am Ende des Abends sangen wir alle zusammen "Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerriss' nen Jeans" Great night. Danke Brummi's.
Der andere Deutsche ist Big John. Er ist in den 50er Jahren mit einem Frachtschiff nach New York gefahren, und hat jetzt einen Fleischerladen mit Imbiss und Supermarkt in Carlsbad\ Californien. Kiloschwere Sauerbraten, handmade Wurst und Landjaeger!!!
Sein Haendedruck ist so warm und fest wie eine Umarmung und mit seinen 81 Jahren darf er sich auch einen Porsche kaufen.
Long live Big John!!!
An der mexikanischen Grenze wurden wir natuerlich rausgewunken, eine Mexikanerin oeffnete vor uns alle Kofferraume der Autos, bei uns zuppelte sie an den Reisverschluessen der Reisetasche, dann stellte sie verbluefft fest, dass Helen M. keine Mexikanerin ist, die von einem Gringo entfuert wird. Und so hat sie uns durchgewunken....
Soviel jedenfalls: Wir sind bis Ensenada gekommen und steuern das Karmabike weiter nach Sueden.
Die einzigen Deutschen, die wir heute gesehen haben, waren ein paar Nazis in einem amerikanischen Film, den wir von unserem Motelbett aus zum Wachwerden angesehen haben.
Unsere Koerper haben sich schon dem Bike angepasst, Muskeln (alle Gluteen) und Gelenke rufen nach Pause.
Aber wir fahren weiter...
Lesung am 20.4.2012 in Berlin
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20 Uhr Dorotheenstädtische Buchhandlung Turmstraße 5 | 10559 Berlin |
Telefon 030 3 94 30 47 |
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