Unter der muslimischen Bevölkerung kursierte am vergangenen Wochenende das Gerücht, Aldi und Lidl würden Israel finanzieren, also auch den aktuellen Krieg im Gaza-Streifen. Das Gerücht war verbunden mit einem Boykottaufruf. Nur weil ich scahrfe Azuka-Sauce kaufenwollte, bin ich in diese Gerüchteküche geraten. Und zwar so:
A
Ich warte in der Schlange vor der Kasse eines türkischen Ladens in Berlin-Moabit.
Die junge Mutti vor mir zahlt ihre Einkäufe und packt alles in ihre Tasche. Kurz bevor sie geht blickt sie der Kassiererin entschlossen ins Gesicht und fragt: "Sind Sie Moslem?"
Die Kassiererin sagt ja und die Freundlichkeit in ihrem Gesicht verschwindet.
"Sagen Sie allen, daß sie heute und morgen nicht bei Aldi und Lidl einkaufen sollen. Die spenden die Einnahmen an Israel!", sagt die junge Mutti mit einer Verschwörerstimme.
Die junge Mutti nimmt ihren Sohn an die Hand und geht. Ich staune. Vor meinen Ohren hat sich eben ein sehr seltsames Gerücht verbreitet.
B
Nachts im Prenzlauerberg treffe ich an der Dönerbude einen jungen Mann, der ebenfalls behauptet, Lidl und Aldi würden die Tageseinnahmen an Israel spenden, um den Krieg im Gaza zu unterstützen. Ein eigenartiges Gerücht, daß sich aber offensichtlich schnell verbreitet hat. Er erklärt mir wild gestikulierend und mit finsterer Miene, warum man Israel nicht unterstützen darf und schildert mir die Greuel dieses Krieges. Erst als ich ihm das Versprechen abringe, daß wir beide uns niemals beschießen werden, hellt sich sein Gesicht wieder auf.
C
Im Netz findet sich der Boykott-Aufruf tatsächlich auf der Nachrichtenseite von allahuekber.de.
Der Domaininhaber Muhsin Dikmen aus dem schwäbischen Laupheim schreibt 1 zu 1 in seinen Blog , was offensichtlich als SMS und e-mail Welle durch muslimische Netze rollt und in Bekanntenkreisen zirkuliert. Habe Herrn Dikmen angemailt und nach seinen Quellen befragt.
Er schreibt: "Eine Menge E-mail und sms und es war keine Zeit die Quelle zu überprüfen."
Auf anderen Web-Seiten wird das Gerücht ebenfalls diskutiert, die Mehrzahl der Forums- und Blogeinträge sind eher kritisch. Auf einem Blog wird sogar mit die Notwenigkeit solche Gerüchte doch erstmal zu verifizieren sogar mit einer Koran-Sure belegt.
D
Mittlerweile haben Aldi und Lidl auf den Aktuell-Seiten ihrer Netzpräsenz entsprechende Dementis gestellt. Das Gerücht entbehre jeder Grundlage. Also: Aldi und Lidl spenden kein Geld an Israel.
Lesung am 20.4.2012 in Berlin
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20 Uhr Dorotheenstädtische Buchhandlung Turmstraße 5 | 10559 Berlin |
Telefon 030 3 94 30 47 |
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